Walddauerbeobachtung seit 1984

Mehrere Kantone lassen mit Unterstützung des BAFU den Waldzustand seit 1984 vom Institut für Angewandte Pflanzenbiologie (IAP) gesamtschweizerisch untersuchen. Seit dem Start der Messreihe der Walddauerbeobachtung wurde das Beobachtungsnetz schrittweise von 51 auf inzwischen 188 Beobachtungsflächen und auf die ganze Schweiz ausgeweitet. Das Spektrum der Beobachtung wurde nach und nach angepasst und fokussiert heute auf die Auswirkungen der Stickstoffeinträge und des Klimawandels auf den Wald sowie auf die entsprechenden Wechselwirkungen dieser Einflüsse.

Das IAP untersucht regelmässig auf den über die Kantone verteilten Beobachtungsflächen insgesamt über 14‘000 Waldbäume. Auf allen Flächen werden mehr als 30 Messgrössen an Bäumen und im Boden erhoben, so z. B. die Kronenverlichtung, das Triebwachstum oder die Nitratkonzentration.

In der Zentralschweiz seit 2015

Seit 2015 beteiligen sich die Zentralschweizer Umwelt- und Waldfachstellen an den Erhebungen der gesamtschweizerischen Walddauerbeobachtung mit umfangreichen Bodenanalysen an insgesamt neun Standorten. Weitere Standorte sind bereits seit 1985 im Kanton Zug und seit 1991 im Kanton Uri in Betrieb.

Wieso ist eine Langzeitbeobachtung des Waldes wichtig?

Die Walddauerbeobachtung ist ein wertvolles Instrument zur Erkennung und Dokumentation von schleichenden – in den letzten Jahren auch akuten – Veränderungen in den Wäldern. Der neuste gesamtschweizerische Waldbericht (November 2021) zeigt auf, dass die Auswirkungen des Klimawandels unübersehbar sind. Ebenfalls konnte das IAP damit den Wert einer Beobachtungsreihe mit zahlreichen Flächen in den besonders stark betroffenen Gebieten verdeutlichen. Die Ergebnisse der Untersuchungen werden vom IAP alle vier Jahre veröffentlicht.

Zustand der Zentralschweizer Wälder

Der Klimawandel und die hohen Stickstoffeinträge belasten die Wälder in der Zentralschweiz erheblich. Der jährliche Stickstoffeintrag aus der Luft in die Wälder ist um ein Mehrfaches grösser als der Wert, der als ökologisch unbedenklich betrachtet wird. Ein hoher Stickstoffeintrag verbessert zwar vorerst die Nährstoffversorgung und damit das Stammwachstum der Bäume. Ab einem Eintrag von über 25 kg N/(ha*a) sinkt jedoch das Wachstum bei Fichten kontinuierlich, bei Buchen fällt es rasant ab. Die Stickstoffbelastung und die damit verbundenen Nährstoffungleichgewichte sowie die Bodenversauerung schwächen die Bäume und verändern das Waldökosystem. Zusätzlich wirken Hitze und Trockenheit als verschärfende Stressfaktoren für die Waldbäume.

Der neueste Bericht zeigt, dass sich die Lebensbedingungen für den Wald zunehmend verschlechtern und die Widerstandskraft der Waldbäume ohne Massnahmen langfristig schwindet.

Wie steht es um die Zentralschweizer Wälder?

Ergebnisse und Erkenntnisse aus der Walddauerbeobachtung in der Zentralschweiz.

Zum Bericht

Das Wichtigste in Kürze

Stickstoff macht den Boden sauer

Langanhaltend hohe Stickstoffeinträge aus Landwirtschaft, Industrie und Verkehr haben vielerorts zu einer Versauerung der Waldböden beigetragen. Dabei werden Nährstoffe freigesetzt und aus dem Boden ausgewaschen. Diese stehen dann für die Bäume nicht mehr zur Verfügung. Durch den Mangel an Nährstoffen werden Bäume anfälliger für Parasiten. Auch gegenüber dem Klimawandel, der vermehrt Trockenheit und Sturm mit sich bringt, werden Bäume anfälliger.

«Für einen nachhaltig gesunden Wald müssen die Stickstoffeinträge aus Landwirtschaft, Industrie und Verkehr weiter reduziert werden.»

Trockenheit hinterlässt Spuren

Die ausserordentlich trockenen und warmen Sommerhalbjahre 2018 und 2019 haben vielen Bäumen sichtbar zugesetzt. Stark geschwächte Buchen können sich auch nach dem feuchten Sommer 2021 nicht mehr vollständig erholen und sterben vorzeitig ab.

«In Verbindung mit der Trockenheit verstärken hohe Stickstoffeinträge und Nährstoffungleichgewichte die Mortalität der Bäume.»

Walddauerbeobachtung ist wichtig

Die Walddauerbeobachtung in der Zentralschweiz ist noch jung, so dass sich bisher keine verlässlichen zeitlichen Entwicklungen darstellen lassen. Die bis heute vorliegenden Ergebnisse erlauben jedoch eine erste Zwischenbilanz und – dank der gesamtschweizerisch angelegten Studie – eine erste Einordnung in den nationalen Kontext. Insgesamt stellt die Walddauerbeobachtung ein einzigartiges, regionenübergreifendes Frühwarnsystem für das Ökosystem Wald dar.

«Mit der Fortführung des Programms können die Auswirkungen von Veränderungen in der Umwelt auf den Wald auf wissenschaftlicher Basis weiterhin frühzeitig erkannt werden.»

Massnahmen umsetzen

Die gesamtschweizerischen Untersuchungen zeigen, dass sich die Lebensbedingungen für den Wald zunehmend verschlechtern. Um die Widerstandskraft der Bäume langfristig zu stärken, sind Massnahmen wie eine naturnahe Waldbewirtschaftung, die Vermeidung grosser Verjüngungsflächen sowie der Einsatz tiefwurzelnder, dem Klima angepasster Baumarten und von Baumarten, die die Nährstoffumsetzung beschleunigen, unabdingbar.

«Um das Problem jedoch bei der Wurzel zu packen, müssen nebst Massnahmen in der Waldwirtschaft vor allem auch Massnahmen zur Stickstoffreduktion und zum Klimaschutz umgesetzt werden.»

 

 

Versauerung der Böden durch Stickstoffeintrag

Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) zeigt in einem Dossier auf, weshalb zu viel Stickstoff den Wald krank macht.

Zum Dossier