Klimawandel und hohe Stickstoffeinträge belasten die Wälder in der Zentralschweiz erheblich. Hitze und Trockenheit – Folgen des Klimawandels – wirken als verschärfende Stressfaktoren für die Waldbäume. Die ersten Zwischenergebnisse der in der Zentralschweiz seit 2015 erhobenen Walddauerbeobachtung zeigen, dass sich die Lebensbedingungen für den Wald zunehmend verschlechtern und die Widerstandskraft der Waldbäume ohne Massnahmen langfristig schwindet.

Seit 2015 beteiligen sich die Zentralschweizer Umwelt- und Waldfachstellen an der Walddauerbeobachtung, die bereits seit 1984 von verschiedenen Kantonen mit Unterstützung vom BAFU betrieben wird. Trotz der noch kurzen Datenreihe können die Zentralschweizer Kantone eine erste Zwischenbilanz ziehen und die Ergebnisse im gesamtschweizerischen Kontext einordnen. Die Ergebnisse bestätigen insbesondere die Situation in Teilen der Zentralschweiz in Bezug auf die hohen Stickstoffbelastungen und deren vielfältige Auswirkungen auf die Waldökosysteme.

Ergebnisse
2017 bis 2021

Factsheet

Stickstoffbelastung verstärkt Trockenstress

Der jährliche Stickstoffeintrag aus der Luft in die Wälder übersteigen an allen Untersuchungsstandorten die ökologisch unbedenklichen Werte um ein Mehrfaches.

Ein hoher Stickstoffeintrag verbessert zwar vorerst die Nährstoffversorgung und damit das Stammwachstum der Bäume. Ab einem jährlichen Stickstoffeintrag von über 25 kg/ha sinkt das Wachstum bei Fichten kontinuierlich, bei Buchen fällt es rasant ab. Aufgrund der hohen Niederschlagsmengen verzeichnen die Bäume an den Zentralschweizer Untersuchungsstandorten im schweizweiten Vergleich noch einen überdurchschnittlichen Stammzuwachs. Bei Trockenheit – wie dies in den Jahren 2018 und 2019 der Fall war und in Zukunft verstärkt zu erwarten ist – zeigt sich jedoch die wachstumshemmende Wirkung der hohen Stickstoffeinträge. Diese verstärken den Trockenstress der Bäume, so dass sie markant häufiger absterben als bei tiefen Werten. Zu hohe Stickstoffeinträge bringen auch die Nährstoffversorgung der Bäume aus dem Gleichgewicht. Die Bäume werden mit Phosphor und Magnesium weniger gut versorgt und es zeigen sich Mangelerscheinungen, so dass die Resistenz der Bäume gegenüber Parasiten und Trockenheit abnimmt.

Beeinträchtigtes Bodenleben bis hin zu fehlenden Regenwürmer

Die veränderten bodenchemischen Verhältnisse beeinflussen die Lebensbedingungen der Bodenlebewesen, beispielsweise jene der Bodenpilze (Mykorrhiza), die für die Nährstoffversorgung eine zentrale Rolle spielen. Mit zunehmender Stickstoffbelastung nimmt die Vielfalt der Bodenlebewesen – insbesondere jene Arten, die für die Phosphorversorgung wichtig sind – an Buchenwurzeln markant ab.

Schadstoffe und Klimawandel in der Kombination besonders schädigend

Die Ergebnisse der Zentralschweizer Walddauerbeobachtung zeigen im Sinne einer Zwischenbilanz die vielfältigen Wirkungen der Stickstoffbelastung auf die Waldökosysteme wie Kronenverlichtung der Bäume, Schädigung des Feinwurzelsystems, Veränderung der Mykorrhiza, Ausbreitung der Brombeere oder die Absenz von Regenwürmern. Die gleichzeitige Betrachtung von Schadstoffwirkungen und der Einflüsse des Klimawandels veranschaulichen zudem die starken Wechselwirkungen und zeigen, dass insbesondere Bäume mit ausgesprochenen Nährstoffungleichgewichten für extreme Klimaverhältnisse wie Trockenheit und hohe Temperaturen besonders anfällig sind.

Ohne Massnahmen schwindet die Widerstandskraft der Wälder

Die gesamtschweizerischen Untersuchungen belegen zudem, dass sich die Lebensbedingungen für den Wald zunehmend verschlechtern. Um die Widerstandskraft der Bäume langfristig zu stärken, sind Massnahmen wie eine naturnahe Waldbewirtschaftung, das Vermeiden grosser Verjüngungsflächen sowie der Einsatz tiefwurzelnder, dem künftigen Klima angepasste Baumarten und von Baumarten, die die Nährstoffumsetzung beschleunigen, unabdingbar. Die Waldwirtschaft kann dabei allerdings nur Symptome bekämpfen und keine Ursachen beheben. Es sind deshalb Massnahmen zur Stickstoffreduktion und zum Klimaschutz dingend notwendig.

 

Walddauerbeobachtung Zentralschweiz geht weiter

Das Institut für Angewandte Pflanzenbiologie (IAP), welche das gesamtschweizerische Programm «Walddauerbeobachtung» umsetzt, hat die Periode von 2017 bis 2021 abgeschlossen und einen Bericht publiziert. Die neue Periode dauert bis 2025. Auch die Zentralschweizer Kantone führen die Walddauerbeobachtung fort.

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