Der Sommer 2026 war geprägt von aussergewöhnlich hohen Temperaturen und viel Sonnenschein. Vergleichbare Bedingungen gab es zuletzt im Hitzesommer 2003. Ein Vergleich mit der Normwertperiode 1991 bis 2020 zeigt, wie aussergewöhnlich beide Sommer tatsächlich waren. Die Daten der MeteoSchweiz-Station Luzern verdeutlichen die Aussergewöhnlichkeit des Sommers 2026: Gegenüber der Normwertperiode 1991 bis 2020 lag die mittlere Temperatur um 3,4 °C höher. Zudem wurden durchschnittlich rund 2,6 zusätzliche Sonnenstunden pro Tag registriert.

Abbildung 1: Über die Sommermonate (Juni bis August) gemittelte Tagesgänge der Jahre 2026 (grün), 2003 (blau) und der Normwertperiode 1991 bis 2020 (grau). Oben: Temperatur (°C), unten: Sonnenscheindauer (Minuten pro Stunde). Quelle: MeteoSchweiz (Station: Luzern, LUZ)

Zahlreiche Grenzwertüberschreitungen

Insbesondere die intensive Sonneneinstrahlung hatte einen grossen Einfluss auf die Ozonkonzentrationen in der bodennahen Luft. Die in-luft Messstation Sedel bei Ebikon registrierte im Sommer 2026 rund 375 Überschreitungen des Immissionsgrenzwerts von 120 Mikrogramm Ozon pro Kubikmeter Luft. Dieser Grenzwert bezieht sich auf den Stundenmittelwert und sollte gemäss Luftreinhalte-Verordnung höchstens einmal pro Jahr überschritten werden. Auch an weiteren Messstandorten wurden zahlreiche Grenzwertüberschreitungen registriert, was auf ein grossräumiges Phänomen hinweist.

Negative Folgen für Mensch und Natur

Bei Konzentrationen über dem Grenzwert kann das Reizgas Ozon die menschliche Gesundheit sowie die Vegetation beeinträchtigen. Gemäss der Europäischen Umweltagentur (EUA) sind in der Schweiz jährlich rund 200 bis 300 vorzeitige Todesfälle mit der Ozonbelastung verbunden. Besonders empfindlich reagieren Kinder, ältere Menschen sowie Personen mit Atemwegserkrankungen. Ozon kann:

  • Reizungen der Augen und Schleimhäute verursachen.
  • tief in die Lunge eindringen und die Atemwege schädigen.
  • das Pflanzenwachstum hindern und somit die Biodiversität, die landwirtschaftlichen Erträge und den Zustand von Schutzwäldern beeinträchtigen.

Die durch die Sommermonate gemittelten Tagesgänge der Ozonkonzentrationen zeigen ihr Maximum meist am frühen Abend. Zu diesem Zeitpunkt herrschen optimale Bedingungen für die Ozonbildung: Die Sonne scheint noch intensiv und der Verkehr trägt zusätzlich zur Freisetzung von Ozonvorläuferstoffen bei.

Abbildung 2: Über die Sommermonate (Juni bis August) gemittelte Tagesgänge der Ozonkonzentrationen an der Messstation Sedel (Ebikon) für die Jahre 2026 (grün) und 2003 (blau). Die gestrichelte Linie markiert den Immissionsgrenzwert gemäss Luftreinhalte-Verordnung. Quelle: in-luft

Ozon ist nicht nur ein städtisches Phänomen

Stickoxide (NOX) aus Verbrennungsprozessen und flüchtige organische Verbindungen (VOCs) gelten als Vorläuferstoffe von Ozon. Sie können unter dem Einfluss der Sonnenstrahlung chemisch so umgewandelt werden, dass Ozon daraus gebildet wird.

Aufgrund der fehlenden Sonnenstrahlung wird in der Nacht kein Ozon durch die Vorläuferstoffe gebildet. Gewisse Luftschadstoffe führen in der Nacht sogar zum Abbau des tagsüber gebildeten Ozons. Daher sind diese hohen Ozonkonzentrationen kein ausschliesslich städtisches Phänomen. In Städten werden teilweise gar tiefere Ozonkonzentrationen gemessen als im Umland. Das tagsüber gebildete Ozon wird in urbanen Gebieten während der Nacht durch andere Luftschadstoffe teilweise wieder abgebaut.

Auf dem Land und in höheren Lagen verbleibt es dagegen länger in der Atmosphäre und kann sich am Folgetag erneut anreichern. Die Vorläuferstoffe des Ozons werden während der Nacht mit den Luftmassen von städtischen in ländliche Gebiete transportiert und tragen dort am folgenden Tag erneut zur Ozonbildung bei.

Fortschritte in der Luftreinhaltung

Durch strengere Emissionsvorschriften sowie technische Verbesserungen bei Fahrzeugen, Heizungen und Industrieanlagen haben sich die Stickoxidemissionen in den vergangenen Jahrzehnten deutlich reduziert. Auch die Konzentrationen flüchtiger organischer Verbindungen sind dank nationaler Massnahmen und der Umsetzung internationaler Luftreinhalteabkommen stark zurückgegangen. Da die Ozonbildung stark von den meteorologischen Verhältnissen abhängt, lassen sich Veränderungen der Ozonbelastung nur durch den Vergleich von Jahren mit ähnlichen Witterungsbedingungen sinnvoll beurteilen.

Die Sommer 2003 und 2026 im Vergleich

Der Vergleich der Sommer 2003 und 2026 zeigt, dass die Ozonkonzentrationen im Jahr 2026 trotz vergleichbarer meteorologischer Bedingungen insgesamt tiefer ausfielen. Besonders deutlich wird dies anhand der Anzahl der Grenzwertüberschreitungen. An der Messstation Sedel bei Ebikon wurde der Immissionsgrenzwert während der Sommermonate im Jahr 2003 insgesamt 560-mal überschritten, während im Sommer 2026 rund 375 Überschreitungen registriert wurden.

Auffällig ist jedoch, dass die Anzahl der Grenzwertüberschreitungen im Juli in beiden Jahren ähnlich hoch ausfiel. Eine mögliche Erklärung liefert ein genauerer Blick auf die meteorologischen Bedingungen. Im Juli 2003 schien die Sonne durchschnittlich rund 2,5 Stunden pro Tag weniger lange als im Juli 2026. Gleichzeitig verdeutlicht dieser Vergleich die Fortschritte in der Luftreinhaltung seit dem Hitzesommer 2003. Auch die gemittelten Tagesgänge der Ozonkonzentrationen zeigen, dass im Sommer 2003 höhere Werte erreicht wurden als im Sommer 2026.

Abbildung 3: Anzahl Überschreitungen des Ozon-Immissionsgrenzwerts pro Monat (120 µg/m³ als Stundenmittelwert) an der Messstation Sedel (Ebikon) in den Sommermonaten 2003 und 2026. Quelle: in-luft.

Ozonbelastung bleibt eine Herausforderung

Obwohl die Ozonbelastung deutlich unter den Werten des Jahres 2003 liegt, zeigen die rund 375 Grenzwertüberschreitungen in Ebikon, dass weiterhin Handlungsbedarf besteht. Mit zunehmenden Hitzewellen und längeren Schönwetterperioden dürfte die Ozonbelastung auch künftig eine Herausforderung bleiben. Die Messungen zeigen, dass die Reduktion der Stickoxide und flüchtigen organischen Verbindungen seit 2003 deutlich stärker ausfiel als die Abnahme der Ozonkonzentrationen. Die weitere Reduktion von Luftschadstoffen bleibt dennoch eine wichtige Massnahme zum Schutz von Mensch und Umwelt und trägt unter anderem dazu bei, die Ozonbelastung langfristig zu senken.