Bild: Thomas Biasotto

Umwelt Zentralschweiz: Welche Bedeutung hat der Ausbau der Solarenergie aktuell für die regionale Energieversorgung?
Roland Krummenacher: Der Ausbau der Solarenergie ist ein zentraler Pfeiler der Energiewende. Regional produzierter Solarstrom stärkt die Versorgungssicherheit, reduziert die Abhängigkeit von Energieimporten und leistet einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Die Photovoltaik erlaubt die Produktion von grossen Strommengen im Sommer. Auch im Winter gewinnt diese Technologie an Bedeutung. Dies wird oft unterschätzt.

Welche Herausforderungen entstehen durch den starken Ausbau von Photovoltaikanlagen für das Stromnetz?
Durch den starken Ausbau entstehen zeitweise hohe Stromüberschüsse, insbesondere an sonnigen Tagen. Das kann lokale Netzabschnitte belasten und die Stabilität des Netzes gefährden. Um auch grosse Produktionsspitzen jederzeit bewältigen zu können, ist ein kostspieliger Ausbau der Netzkapazität erforderlich.

Was versteht man unter einem «netzdienlichen Ausbau» der Energieinfrastruktur?
Die Produktion und der Verbrauch sowie die Speicher- und Netzkapazitäten sind aufeinander abzustimmen. Im Fokus steht eine stabile, effiziente und kostengünstige Stromversorgung. Dazu können Digitalisierung, Flexibilisierung der Lasten sowie saisonale, dynamische Vergütungsmodelle einen grossen Beitrag leisten. Zum Beispiel könnten Vergütungen für die Einspeisung von Strom in den Wintermonaten erhöht werden. Der intelligente Einsatz von Speichern sowie auch der bedarfsgerechte Ausbau der Netze sind weitere wichtige Elemente.

«Wer saniert, sollte Gebäudehülle, Heizung und Solaranlage und eventuell auch Speicherkapazitäten umfassend betrachten.»

Roland Krummenacher – Leiter des Amts für Umwelt im Kanton Zug

Welche Massnahmen plant oder unterstützt das Amt, um das Stromnetz fit für die Energiewende zu machen?
Der Kanton Zug unterstützt verschiedene Innovationsprojekte, die auf die Stabilität des Stromnetzes und damit auf die Resilienz des Energiesystems abzielen. Zudem ist der Kanton im Austausch mit den Gemeinden und den Energieversorgern, um künftige Herausforderungen gemeinsam anzugehen.

Welche Förderprogramme stehen Privatpersonen oder Unternehmen derzeit für Solarenergie-Projekte zur Verfügung?
Für die finanzielle Förderung der Solarenergie ist primär der Bund zuständig. Er leistet über Pronovo Beiträge an PV-Anlagen. Im Kanton Zug erhalten zudem Privatpersonen und Unternehmen den doppelten Förderbeitrag für die Wärmedämmung von Dach oder Fassade, wenn sie gleichzeitig eine PV-Anlage installieren. Teilweise bieten auch Gemeinden zusätzliche Förderbeiträge an. Die Webseite energiefranken.ch bietet einen umfassenden Überblick über die Förderprogramme für Solarenergie und energetische Sanierungen.

Welche Tipps würden Sie Bürgerinnen und Bürgern geben, die in Solarenergie investieren oder ihre Gebäude energetisch modernisieren möchten?
Wichtig ist eine ganzheitliche Planung. Wer saniert, sollte Gebäudehülle, Heizung und Solaranlage und eventuell auch Speicherkapazitäten umfassend betrachten. Es empfiehlt sich, frühzeitig eine Energieberatung in Anspruch zu nehmen oder einen GEAK Plus, das heisst einen Gebäudeenergieausweis mit Beratungsbericht, erstellen zu lassen. Die meisten Kantone, so auch der Kanton Zug, unterstützen diese Beratungsangebote.

 

14. Juli 2026