Umwelt Zentralschweiz: Wie verändert zunehmende Trockenheit die Gewässer im Kanton, und welche Entwicklungen bereiten Ihnen aktuell am meisten Sorge?
Christian Bommer: Die Trockenheit ist im Kanton Schwyz bisher ein eher untergeordnetes Thema. Die Erwärmung der Gewässer bereitet mehr Sorgen, z.B. in Bezug auf die Fische und den Sauerstoffgehalt im Wasser. In den Seen findet die Tiefenumwälzung des Wassers wegen den zu hohen Temperaturen nicht mehr so statt, wie das früher im Winter erfolgte. Dies führt zu weniger Sauerstoff in den tieferen Wasserschichten. Der Klimawandel und die damit zusammenhängenden Entwicklungen sind deshalb die grossen Herausforderungen in unserem Alltag. Hinzu kommt, dass zu viel ins Wasser geschüttet wird, was nicht ins Wasser gehört. So kommt es z.B. vor, dass jemand auf der Baustelle einen Farbtopf ausspült und das Abwasser danach in einen Schacht auf der Strasse kippt, der eigentlich nur für Regenwasser gedacht ist und deshalb nicht mit der Kanalisation, sondern mit einem Gewässer verbunden ist.

Was sind die zentralen Ziele der Wasserstrategie des Kantons Schwyz, und wo steht ihr heute bei der Umsetzung?
Wir sind in der Erarbeitung der Wasserstrategie bereits weit. In Workshops wurden der Handlungsbedarf abgesteckt und die übergeordneten Ziele formuliert. Daraus haben wir Stossrichtungen erarbeitet, welche nun bereits eine Vernehmlassung durchliefen. Schon bald können wir die Wasserstrategie dem Regierungsrat zur Kenntnisnahme vorlegen. Sie soll dabei helfen, dass langfristig nachhaltig mit der Ressource Wasser umgegangen wird.

Wie lassen sich steigende Ansprüche an Wasser – etwa für Landwirtschaft, Energie und Trinkwasserversorgung – mit dem Schutz der Gewässer vereinbaren?
Genau das ist das Thema der Wasserstrategie. Es gibt verschiedene Interessen, was für Konfliktpotenzial sorgt. Einfach gesagt geht es dabei um Fragen wie z.B. jener, ob es wichtiger ist, im Bach genug Wasser für die Fische zu haben, oder ob es für die Bewässerung eines Kartoffelfelds abgepumpt werden darf. Die Interessen werden jeweils gegeneinander abgewogen, bevor entschieden wird. Generell gilt: Das öffentliche Interesse überwiegt gegenüber den Privaten. Meistens wird ein Kompromiss angestrebt, der allen ein bisschen etwas abverlangt, jedoch niemandem zu viel.

«Generell ist die Qualität des Wassers trotz Verschmutzungsquellen wie Strassenabwasser, Landwirtschaft und Industrie immer noch gut.»

Christian Bommer – Amtsvorsteher des Amts für Gewässer im Kanton Schwyz

Der Gewässerraum sorgt oft für Diskussionen: Welche Bedeutung hat er aus fachlicher Sicht, und wo liegen die grössten Herausforderungen in der Umsetzung?
Der Gewässerraum muss primär drei Funktionen erfüllen. Zum einen muss die natürliche Funktion des Gewässers gewährleistet sein, sodass Fische gedeihen, sich diverse Arten entwickeln können. Zudem ist der Schutz vor Hochwasser ein Thema. Man soll nicht direkt ans Gewässer oder darauf bauen. Der dritte Punkt beschäftigt sich mit der Gewässernutzung. Dabei geht es darum, wie Wasserentnahmen für die Bewässerung, für Trinkwasser oder Kühl- sowie Wärmezwecke oder zur Energieproduktion zu erfolgen haben. Eine grosse Herausforderung ist die Ausscheidungen des Gewässerraums. Dabei müssen die Gemeinden in der Nutzungs- oder Ortsplanung festlegen, welcher Gewässerraum welchem Grundeigentümer zugeschrieben wird. Dagegen können Eigentümer Einsprache erheben. Meist ist dieses Verfahren eine langwierige Sache, weshalb Gemeinden sich schwertun, die Gewässerräume festzulegen.

Welche Formen von Gewässerverschmutzung sind derzeit besonders relevant, und wie wirksam sind die bestehenden Massnahmen dagegen?
Ein aktuelles Thema sind Verschmutzungen durch die sogenannten Ewigkeitschemikalien wie PFAS. Das ist eine neuere Thematik, weil lange die Analysemöglichkeiten dazu fehlten. PFAS-Einträge in der Umwelt sind nur schwer wieder aus dem System zu bringen. Eine weitere Herausforderung sind Pflanzenschutzmittel und die landwirtschaftliche Düngung. Für Letztere ist der Peak meist im Frühling, nachdem der Schnee geschmolzen ist. Den richtigen Zeitpunkt zum Güllen zu erwischen, ist schwierig. Manchmal landet ein Teil davon im Wasser, z.B. im Bach. Deshalb ist es wichtig, dass Bauern beim Düngen die vorgegebenen Abstände zu den Gewässern einhalten. Wenn nicht, kann dies zu einer Busse führen, inklusive einer Reparationszahlung für die verendeten Fische und den Feuerwehreinsatz. Generell ist die Qualität des Wassers trotz Verschmutzungsquellen wie Strassenabwasser, Landwirtschaft und Industrie immer noch gut. Es enthält jedoch zunehmend Hormone, Medikamente und weitere Chemikalien, die auch in der Abwasserreinigungsanlage nicht vollständig herausgefiltert werden können und sich z.B. negativ auf die Fruchtbarkeit von Fischen und Menschen auswirken.

Welche Prioritäten setzt Ihr Amt in den nächsten Jahren, um die Gewässer langfristig zu schützen und klimaresilient zu machen?
Der Fokus liegt zurzeit auf den klimatischen Veränderungen und raumplanerischen Massnahmen. So setzen wir uns dafür ein, dem Gewässer den Platz zu geben, den es tatsächlich benötigt. Die Klimaveränderung beeinflusst auch die Niederschlagsmengen und das Abflussverhalten: Es kann in kurzer Zeit sehr viel Regen fallen, was dann zu Spitzenabflüssen führt. Deshalb braucht es Entlastungsräume, wo das Wasser im Überlastfall hingeleitet werden kann ohne grosse Schäden anzurichten. Wenn möglich soll anfallendes Wasser vor Ort zurückgehalten und versickert werden. So wird es für trockene und heisse Perioden gespeichert. In diesem Zusammenhang spricht man von Schwammstadt oder Schwammland. Generell helfen Revitalisierungs- oder Wasserbauprojekte dabei, klimaresilienter zu werden. Allerdings benötigt die Umsetzung solcher Massnahmen meist viel Zeit. Packen wir die Herausforderung gemeinsam an.