Umwelt Zentralschweiz: Welche Luftschadstoffe stellen aktuell in unserer Region die grösste Herausforderung für die Luftqualität dar?
Alain Schmutz: Auf den Menschen bezogen sind das im Sommer das Ozon und im Winter der Russ. Während Ozon an sonnigen und warmen Tagen aus Vorläuferschadstoffen wie Stickoxiden und flüchtigen organischen Verbindungen gebildet wird, sind die Hauptquellen von Russ Dieselmotoren und Holzfeuerungen. Eine weitere grosse Herausforderung stellen die hohen Ammoniakemissionen aus der Landwirtschaft dar. Hier steht nicht die Beeinträchtigung der menschlichen Gesundheit im Vordergrund, sondern der Verlust der Artenvielfalt in empfindlichen Ökosystemen und die Versauerung der Böden – insbesondere der Waldböden.

Wie wird die Luftqualität überwacht, und welche Messmethoden oder Messstationen kommen dabei zum Einsatz?
Seit 1999 betreiben die Zentralschweizer Kantone Uri, Schwyz, Nidwalden, Obwalden, Luzern und Zug ein gemeinsames Messnetz zur Luftqualitätsüberwachung. Das Messnetz besteht aus fünf fixen und einer mobilen Station, welche die wichtigsten Luftschadstoffe kontinuierlich messen. Mit diesem Messnetz und unter Berücksichtigung vier weiterer Stationen des Bundes wird die Luftschadstoffbelastung durch Ozon, Stickstoffdioxid, Russ und Feinstaub flächendeckend für die ganze Zentralschweiz modelliert und veröffentlicht.

Welche gesundheitlichen Auswirkungen können Schadstoffe wie Feinstaub, Stickoxide oder Ozon auf die Bevölkerung haben?
Von der Luftbelastung betroffen sind besonders die Atemwege, aber auch Herz-Kreislauferkrankungen können die Folge von übermässiger Luftverschmutzung sein. Nachweislich bekannte Auswirkungen sind beispielsweise die Reizung der Atemwege, die Verschlechterung von Asthma und allergischen Erkrankungen, die verminderte Lungenfunktion, Bluthochdruck und ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. Die dadurch entstehenden Gesundheitskosten werden vom Bund auf rund 7 Milliarden Franken pro Jahr geschätzt.

«Alle können dazu beitragen, dass die Luftqualität steigt, beispielsweise indem sie kurze Strecken konsequent zu Fuss oder mit dem Velo zurücklegen und keinesfalls das Auto benutzen.»

Alain Schmutz – Leiter Abteilung Umwelt im Kanton Obwalden

Welche Bevölkerungsgruppen gelten als besonders empfindlich gegenüber schlechter Luftqualität und warum?
Besonders empfindlich sind Kinder, Schwangere, ältere Menschen und Personen mit bereits bestehenden Lungen- oder Herz-Kreislauferkrankungen. Bei den Kindern befinden sich Lunge und Immunsystem noch in Entwicklung und sind deshalb besonders anfällig, dasselbe gilt bei ungeborenen Kindern im Körper der schwangeren Frau. Ältere Menschen und Personen mit Vorerkrankung verfügen über weniger körperliche Reserven und haben damit eine geringere Fähigkeit, auf Belastungen zu reagieren.

Welche konkreten Massnahmen ergreifen die Kantone, um die Luftbelastung langfristig zu reduzieren?
Bei übermässiger Luftschadstoffbelastung sind die Kantone gesetzlich verpflichtet, einen Massnahmenplan zu erlassen. Die Zentralschweizer Kantone verfügen seit vielen Jahren über einen gemeinsamen Massnahmenplan. Aktuell besteht die wichtigste Massnahme darin, dass bei der Inbetriebnahme von neuen grossen Holzfeuerungen ein Qualitätsnachweis erbracht werden muss. Damit wird sichergestellt, dass die Anlagen so geplant und betrieben werden, dass möglichst wenig Feinstaubemissionen entstehen.

Was können Bürgerinnen und Bürger selbst beitragen, um die Luftqualität zu verbessern und ihre Gesundheit zu schützen?
Die Gesundheit kann geschützt werden, indem man bei hoher Luftschadstoffbelastung die behördlichen Empfehlungen befolgt und beispielsweise bei hohen Ozonkonzentrationen intensive körperliche Aktivitäten im Freien vermeidet. Wichtiger ist aber, dass alle ihren Beitrag dazu leisten, Luftschadstoffe gar nicht erst entstehen zu lassen. Sehr wirksam ist beispielsweise, wenn kurze Strecken konsequent zu Fuss oder mit dem Velo zurückgelegt werden und keinesfalls das Auto benutzt wird. Das trägt nicht nur zur Verminderung der Luftverschmutzung bei, sondern fördert gleichzeitig die Gesundheit.