Eine hohe Luftverschmutzung kann der Gesundheit schaden. Deshalb ist ein kantonsübergreifendes Messnetz wichtig, das die zentralen Kennzahlen erhebt. Das Zentralschweizer Immissionsmessnetz in-luft tut genau das. Die Resultate im Jahresbericht 2021 widerspiegeln den Erfolg der von Bund und Kantonen getroffenen Massnahmen und klärt weiteren Handlungsbedarf.

Feinstaub und Russ: Noch immer besteht Handlungsbedarf

Eine der wichtigsten Kennzahlen bei der Luftqualität ist die Feinstaubkonzentration. Vom sogenannten Wintersmog sind besonders Städte und verkehrsnahe Gebiete betroffen. Dort braucht es nach wie vor Anstrengungen, damit auch in den kalten Monaten die vom Bund gesetzlich vorgegebenen Grenzwerte für Feinstaub eingehalten werden.

Die gute Nachricht: 2021 lag das Jahresmittel überall in der Zentralschweiz unter dem Grenzwert. An einzelnen Tagen war die Konzentration des gröberen Feinstaubs aber noch immer zu hoch. Grund dafür waren aber nicht nur der Verkehr oder Feuerungen. Die hohen Konzentrationen waren auf Saharastaub-Verfrachtungen im Februar 2021 zurückzuführen.

Das zeigt: Die in den letzten Jahren getroffenen Massnahmen (siehe Box am Ende) reduzieren die Feinstaubemissionen in der Zentralschweiz. Dass Saharastaub bis in unsere Breitengrade wandert, ist ein natürliches Phänomen, welches regelmässig auftritt. Dagegen können regional keine Massnahmen ergriffen werden.

Die verschiedenen Feinstaub-Klassen

Bei Feinstaub unterscheidet man

  • PM10: Partikel mit einem geringeren Umfang als 10 Mikrometer
  • 5: Partikel mit einem geringeren Umfang als 2.5 Mikrometer
  • PM1: Partikel mit einem geringeren Umfang als 1 Mikrometer

Aufgrund der kleineren Grösse sind vor allem PM2.5 und PM1 gefährlich für unsere Gesundheit, weil sie bis in die Lunge vordringen können.

Obwohl die Grenzwerte an mehreren Tagen überschritten wurden, ist das kein Grund für übermässige Besorgnis. Denn: Während früher das Verbrennen von Heizöl, Benzin, Diesel und Holz die PM10-Werte negativ beeinflussten, sind die Emissionen dank besseren Reduktionsmassnahmen wie Partikelfiltern heute deutlich tiefer als vor ein paar Jahren.

Besorgniserregender sind nach wie vor die PM2.5- sowie die Russ-Konzentration. PM2.5 ist primär eine verkehrsbedingte Emission: An vielbefahrenen Strassen der Städte kamen die Werte des besonders kleinen Feinstaubs sehr nahe an den Grenzwert. Die kleinen Partikel dringen einfacher in die Lunge ein als grössere, deshalb geht von ihnen ein höheres Risiko für die Gesundheit aus.

Nach wie vor zu hoch ist auch die Konzentration von Russ, der vor allem bei der Verbrennung von Diesel und Holz entsteht. Durch den technologischen Wandel hin zur E-Mobilität und mehr emissionsfreien Heizungen wie Wärmepumpen sollten die Feinstaub- und Russkonzentrationen in den kommenden Jahren aber weiter sinken.

Ozon: Klimawandel führt zu mehr Hitzesommern

Im Juli 2022 mass das in-luft-Messnetz, welches laufend Informationen zur Luftqualität in der Zentralschweiz liefert, bis zu 167 Grenzwertüberschreitungen beim Ozon. Diese wurden bei der Station Beromünster gemessen. Das ist keine Überraschung: Heisse Temperaturen, viel Sonnenschein und wenig Niederschlag liefern beste Bedingungen für die Bildung der reaktiven Sauerstoffverbindung.

Das zeigt auch der Vorjahresvergleich: 2021 waren die Konzentrationen aufgrund der vielen Niederschläge niedriger, wie der Jahresbericht von in-luft zeigt. Doch trotz verregneten Sommermonaten: die Ozon-Gesamtbelastung blieb auch damals zu hoch.

In diesem Sommer sind die Vorzeichen umgekehrt: Der heisse und trockene Juli begünstigte die Ozonbildung in der tiefen Atmosphäre. Bleibt das über längere Zeit so, kann dies zu gesundheitlichen Problemen führen (siehe Box).

Zu viel Ozon schadet der Gesundheit

Ozon ist ein giftiges Gas und ein Oxidationsmittel. Es entsteht aus Vorgängerstoffen wie Stickoxiden oder flüchtigen organischen Verbindungen (VOC), welche vor allem durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe entstehen oder bei der Anwendung von Lösungsmitteln entweichen.

Eine hohe Konzentration von Ozon in der Atemluft kann zur Verschlechterung der Lungenfunktion führen. Die Schleimhäute in Rachen, Hals und Bronchien werden angegriffen, es treten vermehrter Husten- und Tränenreiz auf. Ist man über längere Zeit hohen Ozonwerten ausgesetzt, so steigt das Risiko für Atemwegserkrankungen. Für Risikogruppen sind hohe Ozonwerte deshalb gefährlich. Die durch die Luftverschmutzung, vor allem durch Feinstaub und Ozon, entstehenden Gesundheitskosten werden schweizweit auf 6.5 Milliarden Franken jährlich geschätzt.

Vor 20 Jahren im Hitzesommer 2003 erreichten die Ozonwerte in der Atemluft Höchstwerte. Auch 2015 wurden hohe Messwerte erreicht, aber nicht in dem Mass wie noch 12 Jahre zuvor. Denn: Seit der Jahrtausendwende wurden verschiedene Luftreinhaltemassnahmen umgesetzt (siehe Box unten). Die Ozonwerte schwanken seither von Jahr zu Jahr – die hohen Ozonspitzen von früher werden aber nicht mehr erreicht. Der Klimawandel wird künftig aber zu mehr Hitzesommern führen. Deshalb braucht es noch stärkere Anstrengungen zur Verringerung der Ozonwerte.

Dabei gilt es, die Emissionen der Vorgängerstoffe zu reduzieren. Optimistisch stimmt der technologische Wandel: Sowohl die E-Mobilität als auch der Ersatz von Ölheizungen durch Wärmepumpen reduzieren den Ausstoss von Stoffen, welche auch für die Ozonbildung verantwortlich sind.

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