Umwelt Zentralschweiz: Ein Hitzesommer wie dieser wird keine Ausnahme bleiben. Was unternehmen die Kantone Luzern, Zug, Uri, Schwyz, Nidwalden und Obwalden, um für künftige Hitzewellen gerüstet zu sein?
Ronja Bohnenblust: Besonders im Siedlungsraum gibt es verschiedene Möglichkeiten, um mit der zunehmenden Hitze umzugehen. Beispielsweise durch Begrünung, Beschattung, Entsiegelung und weiteren Massnahmen können wir uns an den Klimawandel anpassen und einer zusätzlichen Aufheizung insbesondere in Städten und Siedlungsgebieten entgegenwirken. Um die Klimaanpassung voranzutreiben, legen die Kantone verschiedene Massnahmen in ihren Klima(anpassungs)strategien fest. Sie schaffen die richtigen Rahmenbedingungen, wie beispielsweise Anpassungen der gesetzlichen Grundlagen und der Richtplanung. Zudem unterstützen die Kantone Ihre Gemeinden, etwa durch die Bereitstellung von Informationen (z. B. Klimakarten, Muster-Reglemente, Leitfäden, etc.) und durch Förderprogramme.

Viele dieser Massnahmen waren bereits zuvor auf dem Weg. Ist dieser Sommer eine Art Weckruf, der zusätzliche Massnahmen angestossen hat?
Gerade im Bereich Hitzeplanungen besteht in der Zentralschweiz noch Nachholbedarf. Die Kantone sollen durch sogenannte Hitzeplanungen das koordinierte Vorgehen während Hitzewellen festlegen. Dabei geht es nicht zuletzt um den Gesundheitsschutz, denn gezielte und rechtzeitig koordinierte Massnahmen tragen dazu bei, gesundheitliche Folgen von Hitzewellen bis hin zu hitzebedingten Todesfällen möglichst zu vermeiden.

Sind gewisse Kantone stärker von den Folgen betroffen als andere?
Die Betroffenheit ist in der Zentralschweiz teilweise sehr unterschiedlich. In stark bebauten Siedlungsgebieten in tieferen Lagen ist die Hitze aufgrund des sogenannten Hitzeinseleffekts besonders ausgeprägt. In den Berggebieten stehen dagegen eher zunehmende Naturgefahrenereignisse im Vordergrund. Die kantonalen Klimakarten zeigen, wo die Überwärmung besonders stark ist (Klimakarten Luzern, Zug, Schwyz, Uri, Nidwalden und Obwalden noch in Erarbeitung). Die aktuelle Situation führt uns aber auch vor Augen, dass Hitze längst nicht nur ein städtisches Problem ist. Auch in ländlich geprägten Gebieten können sich Plätze ohne Grün und Beschattung extrem aufheizen.

«Die aktuelle Situation führt uns vor Augen, dass Hitze längst nicht nur ein städtisches Problem ist. Auch in ländlich geprägten Gebieten können sich Plätze ohne Grün und Beschattung extrem aufheizen.»

Ronja Bohnenblust – Mitglied des Cercle Climat Zentralschweiz und Fachspezialistin Klima beim Kanton Luzern (BUWD).

Was braucht es, damit die besonders betroffenen Orte auch in Zukunft bewohnbar bleiben?
Begrünte Flächen tragen durch Beschattung und Verdunstung zur Abkühlung bei. Zentral ist deshalb die Entsiegelung und Begrünung – sowohl im öffentlichen Raum als auch auf Privatgrundstücken. Wichtig ist zudem, dass die natürliche Versickerung vor Ort gefördert sowie das Regenwasser zurückgehalten und genutzt wird. Solche Massnahmen reduzieren nicht nur die Hitzebelastung, sondern helfen auch dabei, Starkregenereignisse besser zu bewältigen. Nicht zuletzt sind auch bauliche Massnahmen wichtig, etwa eine gute Dämmung und ausreichende Beschattung der Gebäude (oder Innenräume), die Wahl geeigneter Baumaterialen und die Berücksichtigung von Kaltluftströmen bei der Anordnung und Ausrichtung von Gebäuden für eine effiziente nächtliche Auskühlung.

Geht diese Entwicklung schnell genug voran?
Vor dem Hintergrund des sehr rasch voranschreitenden Klimawandels (die Schweiz hat sich gegenüber der vorindustriellen Zeit bereits um rund drei Grad Celsius erwärmt) geht die Entwicklung noch zu langsam voran. Die Klimaanpassung wird heute noch nicht konsequent genug in allen Planungen mitgedacht. Eine Herausforderung sind auch die langen Planungshorizonte. Wir realisieren heute Siedlungen, die auch in einem deutlich wärmeren Klima gegen Ende dieses Jahrhunderts noch lebenswert sein sollen. Schön ist zu sehen, dass es mittlerweile auch viele private Initiativen gibt, beispielsweise die Asphaltknackerinnen.

Wie unterstützt Cercle Climat Zentralschweiz die Gemeinden bei ihren Vorbereitungen?
Wir sind insbesondere in den Bereichen Bildung und Kommunikation aktiv. Seit 2024 bietet der Cercle Climat Zentralschweiz jährlich kostenlose Kurse zur Klimaanpassung an. Themenschwerpunkte waren bisher der Umgang mit Hitze in Siedlungen und die Umsetzung von Schwammstadt-Massnahmen. Zudem erarbeitet der Cercle Climat Zentralschweiz derzeit eine Wanderausstellung zum Thema «Besser bauen – kühler wohnen». Diese soll ab 2027 in der Zentralschweiz unterwegs sein.

Welchen Rat geben Sie einer Gemeinde, die sich erst jetzt mit Klimaanpassung auseinanderzusetzen beginnt?
Ich würde einer Gemeinde raten, die Anpassung an die zunehmende Hitze auch als Chance zu sehen. Die positiven Effekte sind direkt vor Ort spürbar: Ein begrüntes Dorfzentrum verbessert nicht nur das Lokalklima, sondern erhöht gleichzeitig die Aufenthalts- und Lebensqualität für die Bevölkerung. Wichtig ist, jetzt anzufangen und Klimaanpassung Schritt für Schritt in die (Orts)Planung zu integrieren.

Cercle Climat Zentralschweiz

Der Klimawandel macht nicht Halt vor Kantonsgrenzen. Deshalb arbeiten die Zentralschweizer Kantone im Cercle Climat Zentralschweiz zusammen.

Mehr über die Organisation